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Archive
im Rheinland

„Die Urkunden und Handschriften aus dem Archiv der Katholischen Propsteipfarrei St. Ludgerus in Essen-Werden“

Regesten und Beschreibungen zur mittelalterlichen Urkunden- und Handschriftenüberlieferung von Hans Budde und Gerhard Karpp erschienen

Am 20. Dezember 2017 wurde der neu erschienene Inventarband zur mittelalterlichen Urkunden- und Handschriftenüberlieferung im Propsteipfarrarchiv St. Ludgerus in Essen-Werden im Rahmen einer Feierstunde in Anwesenheit von Autoren, Herausgeber und weiteren Gästen an Propst Jürgen Schmidt übergeben. Das 244 Seiten umfassende Inventar ist als Band 57 in der seit 1941 vom LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum herausgegebenen Reihe „Inventare nichtstaatlicher Archive“ erschienen. Es bietet Regesten und Beschreibungen zu den im Propsteiarchiv überlieferten 89 Urkunden (1103-1499), 8 Handschriften (15.-17. Jahrhundert) und 16 Handschriftenfragmenten (8.-13. Jahrhundert), die aus der ehemaligen Reichsabtei Werden stammen und Zeugnisse ihrer mittelalterlichen Geschichte sind.

Mit Gerhard Karpp (Leipzig), der die Beschreibungen der Handschriften übernommen hat, und Hans Budde (Billerbeck), der die Regesten zu den Urkunden erstellte, konnten zwei ausgewiesene Experten als Bearbeiter gewonnen werden. Erschlossen wird der Band durch ein umfangreiches Personen-, Orts- und Sachregister, das von der Historikerin Anette Löffler (Leipzig) gefertigt wurde, die auch die Redaktion übernommen hat. Darüber hinaus bietet das Inventar 98 farbige Abbildungen zur Illustration der im Archiv der Propsteipfarrei St. Ludgerus überlieferten mittelalterlichen Handschriftenüberlieferung.

Die Propsteipfarrei St. Ludgerus in Essen-Werden ist eng mit der Tradition der säkularisierten Reichsabtei Werden an der Ruhr (799-1803) verbunden. Nach Auflösung der Benediktinerabtei im Jahr 1803 war für die katholischen Einwohner Werdens eine Neustrukturierung der Pfarrgemeinde erforderlich. So wurde die bis heute bestehende Pfarre St. Ludgerus ins Leben gerufen. Das Archiv der Propsteipfarrei, das heute v. a. die typischen Bestände einer neuzeitlichen Pfarrgemeinde seit dem 19. Jahrhundert umfasst, enthält in geringem Umfang auch Reste der urkundlichen und handschriftlichen Überlieferung der ehemaligen Reichsabtei.

Da der größte Teil der Überlieferung nach 1806 in das damalige Staatsarchiv Düsseldorf (heute Landesarchiv NRW – Abteilung Rheinland in Duisburg) gebracht wurde, ist heute mit insgesamt 171 Verzeichnungseinheiten nur noch ein kleiner Teil der Urkunden vor Ort vorhanden. Sie betreffen v. a. Altar- und Memorienstiftungen, liturgische Feiern, Besetzungen von Vikarien sowie den Erhalt der Abteikirche und der zugehörigen Klostergebäude. Darüber hinaus sind im Archiv der Propstpfarrei einige spätmittelalterliche Handschriften und Handschriftenfragemente des 8. bis 17. Jahrhunderts überliefert, die dem Skriptorium der Benediktinerabtei oder zumindest der einst sehr bedeutenden Klosterbibliothek entstammen.

Mit der Veröffentlichung ist der mittelalterliche Urkunden- und Handschriftenbestand im Propsteiarchiv in Form von Vollregesten und detaillierten Beschreibungen erschlossen und publiziert. Das Inventar macht den Quellenwert dieser Überlieferung nicht nur für die lokale, regionale und kirchliche Geschichtsforschung, sondern auch für eine breitere Öffentlichkeit sichtbar. Die jüngere frühneuzeitliche Urkunden- und Handschriftenüberlieferung (1500-1803) blieb dabei weitgehend unberücksichtigt. Ihre Bearbeitung bleibt einem späteren Inventarband vorbehalten.

Der Band ist zum Preis von 23,50 Euro beim Habelt-Verlag (Dr. Rudolf Habelt GmbH, Am Buchenhang 1, 53115 Bonn, Tel 0228 923830, E-Mail info@habelt.de) erhältlich.

Hans Budde, Gerhard Karpp (Bearb.) mit Anette Löffler (Red.), Die Urkunden und Handschriften aus dem Archiv der Katholischen Propsteipfarrei St. Ludgerus in Essen-Werden. Teil I: 8.-15. Jahrhundert, hrsg. v. LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum, Bonn 2017 (Inventare nichtstaatlicher Archive 57), 244 S. mit 98 farb. Abb., 21 cm, Kt.
ISBN 978-3-7749-4128-1